Neues aus unserer Fraktion
Einen Monat vor dem Verlassen der politischen Bühne habe ich mit unserer Genossin Angelika Tepper telefoniert.
Anfang September legt Angelika ihr Mandat in der Gemeindevertretung Blankenfelde-Mahlow nieder. Nach ihrem Eintritt in die SED im Jahr 1972 gehen dann 54 Jahre politischen Wirkens für die im Februar 1954 geborene »Wasserfrau« zu Ende – sicher aber nicht ihr Politisch-Sein.
Angelikas Politik hat ihren Ursprung, wie das bei vielen jungen Menschen nun einmal so ist, im Aufbegehren gegen die Obrigkeit. In ihrem Fall waren das der Vater und später die Lehrenden während ihrer Ausbildung zum Baufacharbeiter mit Abitur. Und nein, der Facharbeiter wurde damals nicht gegendert, mit Folgen. Nach einer kleinen Odyssee hinsichtlich der weiteren Ausbildung wurde es dann die hauptamtliche politische Arbeit.
Bei allem Einsatz für die Partei hat sie an ihrer Aufmüpfigkeit jedoch nichts eingebüßt, bis heute. Ob es das dauerhafte Beharren auf – hier findet es sich wieder – das Gendern und der Kampf für die Gleichberechtigung aller Geschlechter geht oder das plakative Tragen des »Katzen ja, AFD nee«-Shirts in Sitzungen: Angelika schont sich nicht und legt den Finger nur deswegen nicht immer wieder in die Wunde, weil er bei ihr direkt dort liegen bleibt. Zuletzt hat sie das seit 2019 in der Gemeindevertretung gemacht, wo sie als unsere Fraktionsvorsitzende und militante ostdeutsche Alterspräsidentin mit ihrer klaren Kante fehlen wird.
Da hilft es auch nicht, dass mit mir ein ebenfalls ost-sozialisierter Mensch auf ihre Position nachrückt. Schon die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass der Ton ein anderer ist, wenn wir beide sprechen. Bis jetzt in guter Ergänzung, bald muss ich dann selbst deutlicher werden. Angelika weiß, dass ich das kann, ihr hier Lesenden vielleicht noch nicht.
Seit Dezember 2023 bin ich Mitglied bei Die Linke und neben der Gemeindevertretung nun auch im Kreistag. Ich bin 38 Jahre alt und als Blankenfelder zeitlich wie geografisch noch knapp in der DDR »groß« geworden. Hier hat es mich nach Studium und Arbeit an vielen Orten der Welt wieder hin verschlagen.
Am stärksten politisiert hat mich das Großwerden im Brandenburg der 2000er, der Protest gegen LEGIDA/AfD in Leipzig und das Besetzen von Kohletagebauen. Meinen Ton in Sitzungssälen also nicht mit fehlender Radikalität verwechseln. Der Generationenwechsel wird also zumindest an unserer Haltung nichts ändern: Gerade, aufrecht, links, nach vorn.
Die Zeitung neues deutschland (nd) hat übrigens im Jahr 2025 Angelika Tepper in einem Artikel gewürdigt. Nachlesen kann man diesen hier: www.kurzlinks.de/utp8
