25. November 2017 Dietrich Bicher

„Mit dem Gesicht zum Volke“

Dieses Motto, aus der nicaraguanischen Revolution einst in die Endjahre der DDR importiert, als demokratische Forderung den Beginn der „Wende“ prägend und nicht zuletzt von Gerhard Schöne musikalisch umgesetzt, schien unausgesprochen auch das Motto des Forums Mitte November zu sein, auf dem unsere Landrätin Kornelia Wehlan in Blankenfelde Bilanz ihrer Amtshalbzeit zog.
Ruhig und besonnen legte unsere Genossin Konni, wie sie achtungs- und auch liebevoll genannt wird, Rechenschaft im besten Wortsinne ab. Im Herbst 2013 erst durch den Kreistag für viele überraschend in dieses verantwortungsvolle Amt gewählt, bot dieses „Bergfest“ eine gute Gelegenheit für Rückschau und Ausblick, für Situationsbeschreibung und Projektideen.
Die studierte Agraringenieurin und ehemalige Landtagsabgeordnete übernahm keinesfalls ein gut bestelltes Haus: Eine monatelange Hängepartie nach dem nicht ganz freiwilligen Ausscheiden ihres Vorgängers führte dazu, dass in der Motivation der Verwaltungsbelegschaft zunehmend „Luft nach oben“ zu verzeichnen war, der Kreis befand sich seit 2004 permanent in der Haushaltssicherung.
Und so stellte Konni sich (und "ihrer" Verwaltung) nach ernüchternder Analyse folgende Ziele:
- gute Lebenschancen im Teltow-Fläming,
- Haushaltskonsolidierung,
- neue Qualität im Verwaltungshandeln,
- neues Miteinander des Kreises mit den Städten und Gemeinden,
- wirtschaftliche Potentiale nutzen und stärken.
Inzwischen gibt es ein wirksames Personalentwicklungskonzept für eine bürgerorientierte
Verwaltung. Und der Kreis unterliegt in diesem Jahr erstmals nicht mehr einer
Haushaltssicherung durch das Innenministerium - ein Kraftakt, der die finanziellen Spielräume von Zwängen befreit, aber längst nicht alle Blütenträume reifen lässt.
Auch die Zusammenarbeit mit den Kommunen des Kreises wurde intensiviert und zielorientiert gestaltet.
All dies wurde auch möglich durch eine Atmosphäre im Kreistag, die durch eine sachbezogene
Zusammenarbeit gekennzeichnet ist. Nach Hans-Jürgen Akuloff (Vorsitzender der LINKE-Fraktion im Kreistag) nimmt die Landrätin an fast allen Ausschussberatungen teil, was durchaus ungewöhnlich sei.

Auf diesem trotz Terminkonkurrenz gut besuchten Forum stellte Konni auch klar:
Der Kreis hat Entwicklungspotential, Norden und Süden haben ihre spezifischen Stärken (und auch Schwächen), die es zu berücksichtigen gilt. „Fläming-Skate“ sei ein Beispiel für visionäre
Investitionen (auch ihres Vorgängers), Gleiches sei auch in verschiedenen Gewerbegebieten zu verzeichnen.
Begrüßt wurde die Absage der Gebietsreform durch das Landeskabinett, gleichzeitig aber auch auf künftig notwendige grundlegende Änderungen in der Arbeit in und dem Umgang mit der Verwaltung verwiesen: Digitalisierung und Demographie werden auch hier Veränderungen erzwingen, auf die man vorbereitet sein sollte, um sie meistern zu können. Man fühlte sich an unser September-Forum mit Anke Domscheit-Berg (jetzt MdB) erinnert.
Der öffentliche Nahverkehr auf Straße und Schiene ist wichtig für die Attraktivität des Kreises, auch für Unternehmen. So steht der Lückenschluß der B101 auf der Tagesordnung, und die Forderung „S-Bahn-Verlängerung bis Rangsdorf“ wird massiv unterstützt.

Der oben genannte Anspruch zeigte sich auch in den Antworten auf Fragen: Das konkret Angefragte in das Feld der Möglichkeiten einordnend, nahm sich unser Gast der aufgeworfenen Probleme an.
So wurde beispielsweise die Möglichkeit der Tagespflege unserer Jüngsten kritisch diskutiert, die Verabschiedung einer überarbeiteten diesbezüglichen Richtlinie angemahnt und der Landrätin eine Petition und ein Elternbrief übergeben.

Ziele, Bilanz und Ausblick hat die Landrätin nach diesem Abend noch einmal auf unserer Homepage veröffentlicht (www.dielinke-teltow-flaeming.de); und auch in der Tagespresse fand dieses "Bergfest" gebührendes Interesse (nd, MAZ sogar zweimal).
Alles in allem ein anregender Abend außerhalb jeglicher Wahlkämpfe, zu dem auch Bürgermeister Baier und andere GemeindevertreterInnen begrüßt wurden.

Der Schlußapplaus nach der sehr persönlichen Würdigung durch die langjährige Gemeindevertreterin Dr. Heidrun Nobis zeigte, daß ihr die Gäste des Abends für die zweite Hälfte ihrer ersten (und dabei muß es ja nicht bleiben) Amtszeit weiterhin Gesundheit und Nervenstärke, gute Ideen und Rückhalt im Kreistag wünschen.
Der Autor denkt, um die Alltagsverbundenheit und Bodenhaftung dieser klug handelnden Landrätin brauchen wir uns nicht zu sorgen.